

Seit dem Jahr 2000 verleihen wir jährlich den namics-Kunstpreis für zeitgenössische Kunst im Bereich Neuer Medien.
Mit dem Kunstpreis will namics junge Kunstschaffende fördern, die talentiert aber noch wenig bekannt sind. Mit diesem kulturpolitischen Engagement unterstreicht namics die Bedeutung der neuen Technologien für den Alltag wie für die Kunst. Der jährlich vergebene Preis ist mit insgesamt CHF 20'000 dotiert [CHF 10'000 Preissumme, CHF 10'000 Ankaufs-Summe].
Professionelle Jury
Der Entscheid über die Verleihung des namics-Kunstpreises liegt bei einer fünfköpfigen Jury:
Bisherige Preisträger
2000: Alexander Hahn
Der erste namics-Kunstpreis ging an den 1954 geborenen Alexander Hahn für sein Werk "Move" Container Intervention (Awaiting the Great Visit)". Nach mehrjährigen Aufenthalten in den USA, Deutschland und Polen lebt und arbeitet Hahn in Zürich (CH) und New York (USA). Seine Werke bewegen sich hauptsächlich im Bereich von Video und Videoinstallation, unter Verwendung von Computeranimationen.
www.alexanderhahn.com
2001: Shahryar Nashat
Der namics-Kunstpreis 2002 wurde verliehen für die Videoarbeit "All The Way Back. The Reconstruction"; des 1975 geborenen Shahryar Nashat. Die Arbeit besticht durch ihre inhaltliche wie formale Präzision, die den Betrachter in endlosen Schlaufen in einen Strudel traumatischer Vorstellungen hineinzieht.
Im Jahr 2005 war Shahryar Nashat offizieller Schweizer Teilnehmer an der Biennale in Venedig.
www.shahryarnashat.com
2002: ETOY
Das seit 1994 in unterschiedlicher Besetzung international tätige Künstler-Kollektiv ETOY gehörte zu jenen Pionieren, die das Internet als Erste künstlerisch-kreativ und subversiv nutzten und sich so zu einem wichtigen Impulsgeber im Diskurs über Sicherheit und Machtverhältnisse in den elektronischen Medien entwickelten. Unvergessen bleibt ihre Entführungs-Aktionen"digitalhijack" (1996) und der weltweit wahr genommene "Toy War" gegen den Wirtschaftsmulti E-Toy(2000), der sich die Rechte am Domain-Namen von ETOY per Gericht erzwingen wollte, schliesslich aber ETOY und der Solidarität der Net-Community unterlag.
Der namics-Kunstpreis 2002 ist eine Anerkennung der medien-und kulturgeschichtlichen Wichtigkeit des Schaffens von ETOY, aber auch ein Statement für einen erweiterten Kunstbegriff und Diskurs jenseits von Museum und Kunsthandel.
www.etoy.com
2003: Tatjana Marusic
Im Jahr 2003 wurde die Auszeichnung Tatjana Marusic überreicht für ihre mehrteilige Videoarbeit "A Woman Under the Influence - To Cut a Long Story Short", in der sie Szenen aus dem Film "Citizen Ruth"(1996, Regie: Alexander Payne) mit der Schauspielerin Laura Dern präzise ins Medium Video bzw. in eine dreiteilige Videoprojektion übersetzt. Dabei gelingt es ihr, inhaltlich wie formal den Topos des Scheiterns eindrücklich zu veranschaulichen und in eine adäquate Bildsprache zu überführen. Durch den klugen Einsatz von Bild und Ton und einer ausgefeilten Schnitt-Technik wird nicht nur der Oberflächenschein Hollywoodscher Produktionen dekonstruiert, es offenbaren sich gleichzeitig auch jene Abgründe menschlicher Existenz, die Marusics Werk in überzeugender Weise von einer rein formal verstandenen Interpretation des Originals unterscheidet.
www.kunst-forum.ch/artists/1393-Marusic-Tatjana/werke/werk1.jpg
www.kunst-forum.ch/html/print.asp?PersonID=1393#ausstellungen
2004: Jan Duyvendak
Der namics Kunstpreis 2004 wurde dem 1965 in Holland geborenen, heute in Genf und Barcelona lebenden Künstler Jan Duyvendak für sein Video-und Performancewerk "Game over" überreicht. Duyvendak greift in seiner Arbeit die Ästhetik von Video- und Netzwerkspielen auf, namentlich jene populärer digitaler Kriegsspiele, und übersetzt diese in eine eindrückliche Performance und eine subtilen Videoarbeit mit demTitel "GAME OVER". In seiner Performance konfrontiert er die digitale Bildsprache der in einer Projektion sichtbaren Spielfiguren –es handelt sich um ein TPS (Third Person Shooting) – mit seiner eigenen physischen Präsenz, indem er als schwer bewaffneter Kämpfer ausgerüstet die ruckartigen Bewegungen der digitalen Figur imitiert. Das Computerspiel endet in einem grausamen Gemetzel, während der Künstler am Boden liegend einen eindringlichen Monolog hält, der hinter der klinischen Oberfläche solcher Netzwerkspiele die erschreckende Tragik realer Kriegsspiele subtil anklingen lässt.
Mit Jan Duyvendak zeichnet die Jury einen Künstler aus, der in seinen präzise choreographierten Arbeiten nicht nur die Oberflächenästhetik von Computer- und Videogames dekonstruiert, sondern zugleich eindeutig Stellung bezieht zu aktuellen politischen Ereignissen. Als Performance- und Tanzkünstler entstehen Duyvendaks Arbeiten in erster Linie aus der Spannung zwischen Film- oder Fernsehausschnitten und dem aussichtslosen Unterfangen, diese Bilder mit den Mitteln des Live-Auftritts wiederzugeben. Ob er sich nun mit"Matrix" auseinander setzt, dem Kultfilm mit den atemberaubenden Spezialeffekten ("My Name is Neo (for fifteen minutes)"), ob er mit den Gestalten des Bösen Zwiesprache hält oder selbst in deren Rolle schlüpft ("You Invited Me, Don’t You Remember?"), oder ob er die Geschicke der Kandidaten und Jury-Mitglieder aus den Reality-Shows,diesen Schmieden kurzlebiger Stars, vor Augen führt ("Dreams ComeTrue"), stets hinterfragt er sowohl die Ikonen unserer Konsumgesellschaft als auch das Medium selbst.
www.duyvendak.com
2005: Sladjan Nedeljkovic
Der 1969 im serbischen Zemun geborene Sladjan Nedeljkovic ist nach seiner Ausbildung an der Ecole Supérieur d’Art Visuel (ESAV) in Genf und am berühmten Goldsmith College in London in den letzten Jahren hierzulande mit spannenden Werken im Bereich Video und Neue Medien hervorgetreten. Sein Schaffen überzeugt nicht nur aufgrund der stets spürbaren Aktualität, sondern insbesondere durch den hohen Grad an Reflexion über Informationsmedien, Journalismus und Kommunikation. In den 2003 entstandenen "Reports" beispielsweise berichtet ein Reporter mit synthetischer Stimme aus dem fiktiven Land Ubekia. Der Künstler führt den Betrachter gezielt in eine Zone der Unsicherheit, wo sich die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, zwischen Information und Manipulation, zwischen subjektiver Sicht und objektiver Wahrheit aufzulösen beginnen. Immer wieder stellt sich beim Betrachten die entscheidende Frage: Was sehen wir und wie interpretieren wir das Gesehene aufgrund der eingespielten Narrationen? Raffiniert spielt Sladjan Nedeljkovic mit den präzise eingesetzten Mitteln und Möglichkeiten von Bild, Ton und Text, er suggeriert Erzählungen und schafft Stimmungen, nur um ihre Wirkmächtigkeit gleichzeitig wieder als mediale Konstruktion blosszustellen.
Seine künstlerische Arbeit und seine inhaltlichen Fragestellungen setzt Sladjan Nedeljkovic in aktuellen Arbeiten wie "Fernbedienung" oder "Im Kino", 2005, konsequent fort. Darin thematisiert der Künstler u. a. den gegenwärtigen Medienkonsum, in dem Bilder sich als Inhalt aufzulösen beginnen und nur mehr als flimmernde Folie wahrgenommen werden. Sladjan Nedeljkovics künstlerisches Schaffen hat ein beachtliches Niveau erreicht und lässt eine spannende Entwicklung und Vertiefung erwarten.
www.sladjan-nedeljkovic.net
2006: Norbert Möslang
In seiner Installation mit dem Titel „get_pic“ (2006) bedient sich der St.Galler Medienkünstler Norbert Möslang zahlreicher Webcams in der fernöstlichen Metropole Singapur. Der Computer wählt zufällig aus der permanenten Datenflut einzelne Bilder und Ausschnitte aus Sie tauchen als kurzes Standbild auf den vier auf dem Boden liegenden LCD-Flachbildschirmen auf – und zwar in den Grundfarben Rot, Blau und Grün. In regelmässigen Abständen folgen die Bilder bzw. Bildausschnitte und holen spielerisch wie konzeptuell stimmig die ferne Welt ins heimische St.Gallen. Auf einer anderen Ebene bricht nicht nur das globale Dorf, sondern auch die virtuelle Welt in den Raum der Kunst ein.
Die künstlerische Arbeit nutzt souverän modernste Technologien und überzeugt durch die perfekte Setzung als präzise raumgreifende Bodenarbeit. Nichts wird verborgen, die Apparaturen, Verteiler, Daten- und Stromkabel sind offen gelegt. Mehr noch - sie bilden in der ihnen eigenen High Tech-Ästhetik einen integralen Teil des Kunstwerkes.
http://homepage.swissonline.ch/bots
2007: Elodie Pong
Vor ihrer Künstlerlaufbahn studierte sie in Lausanne Soziologie und Anthropologie, was sich mehrfach thematisch in ihren vielschichtigen Videoarbeiten niederschlägt. Pong interessiert sich für zwischenmenschliche Töne, psychologische Phänomene und das Frauenbild in der modernen Gesellschaft. Eine Eigenart ihres künstlerischen Schaffens ist die meist offene Setzung, die eine aktive Mitarbeit von Seiten der Betrachtenden verlangt und unterschiedliche Interpretationen zulässt. So spürte Elodie Pong etwa im Rahmen der Videoarbeit "Secrets For Sale" (2003) jenem massenmedialen Phänomen nach, das Menschen dazu veranlasst, Intimes vor laufender Kamera auszubreiten. Über einen Zeitraum von drei Jahren sammelte sie dafür mehrere hundert Geheimnisse, die sie den jeweiligen Trägern gegen ein individuell ausgehandeltes Entgelt abkaufte und auf Videofilm bannte. Ihre viel beachtete Arbeit "Je suis une bombe" (2006) spürt dem ambivalenten Gefühl zwischen Macht und Ohnmacht einer heutigen Frauengeneration nach und wurde unter anderem mit dem Swiss Art Award 2006, dem Kantonalen Stipendium Zürich, und dem Videoex-Festival-Preis 2007 ausgezeichnet. Im Künstler-Rating der 50 wichtigsten Schweizer Künstler des Wirtschaftsmagazins Bilanz ist Elodie Pong die Aufsteigerin des Jahres 2007 (Direkteinstieg auf Rang 29). Ihre Werke werden international in Ausstellungen und an Festivals gezeigt, ihre Videos von Museen wie etwa dem Kunsthaus Zürich und privaten Sammlern angekauft. Derzeit arbeitet Pong an einem experimentellen Langspielfilm-Projekt, das 2008 in die Kinos kommen soll.
www.elodiepong.net
Die Auswahl findet jedes Jahr anlässlich der ART Eröffnung in Basel statt. Die Mitglieder der Jury des namics-Kunstpreises visionieren sowohl die am Eidgenössischen Wettbewerb für Kunst eingegebenen als auch die an der Art Basel ausgestellten Werke und selektionieren den Preisträger aus diesen Stücken.
namics ag
Roland Schönholzer
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